Pädagogische Ausrichtung

Die Stationen im Niedrig- und Hochbereich und unsere erlebnispädagogischen Programme verfolgen unterschiedliche Ziele und erzeugen unterschiedliche Wirkungen. Die Trainer können daher  ein differenziertes Programm mit einer aufbauenden Vorgehensweise gestalten. Ebenso prägen die Zielvorgaben der Gruppenleitung (LehrerInnen u.a.) den Programmverlauf.

Auf der Grundlage erlebnispädagogischer Qualifikationsstandards werden Entwicklungsziele auf verschiedenen Ebenen gefördert:

  • individuelle Ebene (Persönlichkeitsentwicklung z.B. Zuverlässigkeit, psychische Stabilität, gesundes Urteilsvermögen, Selbsteinschätzung u.v.m.).
  • Gruppenebene (Lernen im Gruppenprozess z.B. mit Konflikten umgehen, Motivation und gegenseitige Hilfen in Bewältigungssituationen, Teamfaktoren erfahren und erkennen u.v.m.).
  • materielle und natursportliche Ebene (Theorie und Praxis der Natursportart „Klettern“, ökologisches Bewusstsein ausbilden, Materialerfahrung und fachgerechte Materialnutzung).

Die erlebnispädagogische Förderung umfasst je nach Gewichtung zusammenfassend folgende Ziele:

  • Persönlichkeitsentwicklung
  • Soziale Kompetenz
  • Lernmotivation
  • Kooperationsfähigkeit
  • Freude und Spaß
  • Selbsteinschätzung
  • Empathieförderung
  • Rücksichtnahme
  • Vertrauen (in sich und andere)
  • Konfliktfähigkeit
  • Kommunikationsförderung
  • Problemlösungsfähigkeit
  • Werteorientierung
  • Körperbewusstsein
  • Koordination
  • eigene Meinung entwickeln und vertreten
  • Überwinden von Angst, Grenzerfahrung

Um die Ziele zu erreichen sollen Gruppenprozesse bei der Aufgabenbewältigung initiiert werden. Teamgerechtes Verhalten und die Erfolgs- bzw. Misserfolgsfaktoren in der Teamarbeit sollen erfahrbar gemacht und die Gruppenprozesse der einzelnen Stationsaufgaben nach den Prinzipien von handlungs- und erlebnispädagogischen Lernmethoden bewältigt werden.

Dem methodischen Prinzip „vom Einfachen zum Schweren und vom Unkomplexen zum Komplexen“ folgend werden zuerst die Stationen im Niedrigbereich angeboten.  Die Lernergebnisse in der Teamzusammenarbeit befähigen die Gruppe dann, die riskanteren und psychisch sowie physisch belastenderen Anforderungen im Hochseilbereich zu bewältigen.

Die Lernerfahrungen im Niedrigbereich sind zum Beispiel die Einhaltung von Strategien und Absprachen und die verantwortungsvolle Partner- und Gruppenarbeit. Gemäß der Einhaltung von Umgangsregeln, spiegeln sie wieder, ob die Sicherheitsregeln bei der Partnerseilsicherung von der Gruppe realisiert werden können, was für den Hochseilbereich ein sicherheitsrelevanter Aspekt ist!

Rolle des Anleiters bzw. Erlebnispädagogen

Im Seilgarten und unseren handlungs- und bewegungsorientierten Angeboten werden unterschiedliche Ziele und Wirkungen verfolgt. Je nach Veranstaltungsform, ob Soziales Lernen mit einer Schulklasse, Teamtraining für Berufseinsteiger oder ein Spaß- und Belohnungsangebot (Incentive) sollen sich die Teilnehmenden wohl fühlen oder an ihren Verhaltensweisen und Reaktionen erkennen, ob Verhaltensänderungen zu besseren Ergebnissen und zu mehr Selbstzufriedenheit führen. Alternative Handlungsweisen werden zunächst durch die Reflexion verständlich und greifbar gemacht und können bei der nächsten Übung angewandt werden. Erfolge stellen sich u.a. durch das Lernklima und durch das kooperative Verhalten innerhalb der Lerngruppe ein. Der Ehrgeiz beim einzelnen ist dabei sekundär, die Gruppenaufgabe sollte in keinem Wettbewerbsverhalten oder einer Leistungsdemonstration münden. Ein Erfolg kann auch sein, wenn sich eine vorsichtige oder motorisch eingeschränkte Person etwas wagt und zutraut und sich zu einem Versuch bewegen lässt, unabhängig vom Endergebnis.

Bei allen Angeboten gilt das Prinzip der Freiwilligkeit, d.h. alle dürfen und keiner muss. Dennoch wird ein gewisser Aufforderungscharakter (sanfter Druck) zugelassen, der innerhalb des Gruppenprozesses wirkt. Ist das Klima innerhalb der Gruppe positiv, kann es dazu führen, dass sich die Teilnehmer etwas zutrauen und in gewissen Situationen persönliche Grenzen überwinden. Sich Ausprobieren und sich an Grenzen heran wagen, können für den Einzelnen zu einem Schlüsselerlebnis werden.

Anderseits sollen die Teilnehmer lernen, für die eigenen Handlungen und Entscheidungen Verantwortung zu übernehmen. Die Ablehnung und das vorläufige Nein ist auch eine Entscheidung. Im Laufe des Programms kann diese Entscheidung rückgängig gemacht werden.

Reflexion

Da bei handlungs- und erlebnispädagogischen Angeboten Erfahrungslernen das zentrale  Ziel ist und die Prozesse in der Aktionsphase nur mit Zurückhaltung begleitet werden, bekommt der Ergebnissicherung durch Reflexion eine wichtige Bedeutung zu.

Unterschiedliche Reflexionsformen müssen unterschieden werden:

  • Zwischenreflexion: Während der Aktion, um einen Zwischenstand zu erarbeiten. Sie helfen, den gestörten Lernprozess fortzuführen, Übergänge zur  nächsten Station und dem Abschluss eines Programmtages herzustellen.
  • Kurzreflexion: Nach der Bewältigung werden Ergebnisse des Gruppenprozesses und zum Verhalten innerhalb der Gruppe festgehalten.
  • Abschlussreflexion: Nach dem Programmende wird der gesamte Ablauf betrachtet. Gab es einen Entwicklungsverlauf, Höhen bzw. Tiefen?

Gelingt die Reflexion, so stellt sich der Transfer in die Alltagssituation der TeilnehmerInnen automatisch ein, was den „Stress des Transferzwanges“, der teilweise von Evaluationsvorgaben aufgebaut wird, mildert.

Reflexion

 

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